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News beginnend mit S

Soziale Phobie Gesprächskreis

Veröffentlicht am: 28.09.2022,      Kategorie: Psychosoziale Bereiche

Treffen: Die Gruppe trifft sich an jedem 2. und 4. Donnerstag im Monat um 16.00 Uhr im Frauenzentrum in der Steinstraße 15 in Bautzen.

Weitere Betroffene sind herzlich zu den kostenlosen Treffen willkommen.

Sollten Sie noch Fragen haben, melden Sie sich bitte im Büro der Selbsthilfekontaktstelle, Tel. 03591/3515863 oder E-Mail: sks-bautzen@diakonie-st-martin.de.

weitere Informationen

 

Konfrontationsbericht zur Alpaka-Wanderung 

Was Tiere uns lehren können!

Am 25.03.2021 traf sich unsere Selbsthilfegruppe in Tautewalde zur Wanderung mit Alpakas. Auf diesen Tag haben wir alle uns sehr gefreut. Dass er für jeden von uns voller Konfrontationen sein wird, haben wir so nicht gedacht.

Es fing bereits mit der Anfahrt zum Alpakahof an, bei der wir nach der Adresse fragen mussten, da auch Dr. Google offensichtlich nicht allwissend ist. Nach der kurzen Aufregung und dem Durcheinander empfing uns das Züchter-Ehepaar sehr nett, wodurch die Ängste des Kontaktes und Gesprächs mit fremden Personen recht schnell zerstreut wurden. Bei Kaffee und Kuchen wurden die nächsten Probleme deutlich sichtbar. Nicht jedem von uns viel es leicht den Moment zu genießen und dem unwillkürlichen "auf die Finger gucken" mit Gelassenheit zu begegnen. Das Ehepaar erzählte vieles Wissenswerte über ihre Arbeit, den Umgang mit Alpakas und beantwortete alle unsere Fragen sehr ausführlich. 

Auf dem Weg zum Gehege der Tiere wurden wir darauf hingewiesen, dass wir keine Berührungsängste zeigen dürfen, den Tieren zu verstehen geben müssen wer der Herr ist und sofern ein Tier stehen bleiben will insbesondere alle anderen weiter laufen sollen. Da waren sie wieder die Ängste! Der anfänglichen Vorfreude wichen Unsicherheit und Anspannung bei Einigen aus der Gruppe. Wir sollten zeigen wer der Herr ist! Bei einer Truppe die sich allesamt viel lieber im Hintergrund hält?!

Mit dem Anlegen des Geschirres durch den Züchter waren nicht alle Tiere einverstanden und brachten dies mit einem kurzen Tritt nach hinten zum Ausdruck. Leider standen zwei Gruppenmitglieder ungünstig und bekamen den Unmut zu spüren. Es war auf keinen Fall heftig oder schmerzhaft aber es genügte um aus dem Herren über das Tier Angsthasen zu machen und erst einmal den Rückzug anzutreten, was aber anfänglich nicht auffiel, da es weniger Tieren als Herren waren. So zogen wir los, teilweise entschlossen den Alpakas den Weg zu weisen. Bereits nach wenigen Metern bewiesen uns die Tiere, dass sie viel entschlossener und in der Herde einig waren.

Alpaka Benno setzte sich hin, die Gruppe blieb, entgegen dem Rat des Züchters, stehen und alle anderen Alpakas taten es Benno gleich. Wir hatten liebe Mühe die Tiere von der Notwendigkeit zum Weiterlaufen zu überzeugen. Die meiste Überzeugungsarbeit leisteten dabei die Leckerlis des Züchters. So ging es weiter bis wir die Hälfte des geplanten Weges geschafft hatten und die lieben Tierchen sich sattgefüttert wieder legten. Die meisten unserer Gruppe empfanden das als willkommene Pause. Zeit zur Entspannung für die Herren und die Tiere, Zeit zum Fühlen, Hören und Genießen. 

Doch nicht alle Mitglieder hatten Spaß daran, dass die Alpakas immer wieder stehen blieben. Die Gelassenheit der Tiere setzte sie unter Druck. Da aber inzwischen die Fronten geklärt waren, die Alpakas waren die Herren, blieb es nur das Gefühl der Unruhe auszuhalten, auch das ist Konfrontation.

Die Zeit drängte nun wirklich, wenn wir den Tieren für ihr Nachtlager das Gehege und nicht die Ortswege ermöglichen wollten. Spätestens auf dem Weg zurück fiel die Zurückhaltung der getretenen Mitglieder auf und da wir uns mit Konfrontationen helfen wollen, galt es sich zu überwinden und die Tiere wurden mit den Angsthasen konfrontiert - oder war es eher anders herum? Auf jeden Fall bedurfte es sehr viel Willensstärke, die wir großteils nun auch zu leisten im Stande waren, um die Alpakas zurück in ihr Gehege zu ziehen. Am Ende der Wanderung waren ausnahmslos alle zufrieden und glücklich, auch wenn nicht jeder das gesteckte Ziel erreicht hatte, die Alpakas Bruno, Benno und Co. jedoch sehr wohl.

Für die Mitglieder unserer Selbsthilfegruppe war das ein sehr anstrengender und lehrreicher Tag. Nicht zuletzt die Erfahrung, wie vorbehaltlos diese Tiere uns fremden Menschen begegnet sind, sondern auch die Tatsache, dass die Tiere unsere Gefühle wohl viel eher spürten, als dass sie uns selbst bewusst wurden. 

Wir bedanken uns dafür, diese Erfahrung haben machen zu können.

 

Bericht Selbsthilfegruppe Soziale Phobie und Angst

Schwerpunkt:    

- Konfrontationstraining
- mit Ängsten umgehen lernen
- Gefühle aushalten

Unsere Selbsthilfegruppe hat sich das Ziel gesetzt, mit dem Zug nach Dresden zu fahren, um das DDR-Museum zu besuchen.

Konfrontation bedeutet zu üben, mit bestimmten Situationen umgehen zu können, statt sie zu vermeiden. Das Leben von Soziaphobikern ist geprägt von Ängsten im Ungang zu Mitmenschen und bestimmten Situationen. Sie leiden unter Minderwertigkeitskomplexen, geringem Selbstwertgefühl, Versagensängsten und benehmen sich überangepasst, um nicht negativ aufzufallen. Das führt zu einer hohen körperlichen Anspannung, zu Herzrasen, Zittern, Erröten, Übelkeit und Ähnlichem. Im Vordergrund steht die Angst, dass Andere diese Symptome bemerken könnten. Das auszuhalten ist sehr schwierig, weshalb solche Situationen lieber vermieden werden.

Die Mehrzahl in unserer Gruppe ist Jahrzehnte nicht mehr mit dem Zug gefahren und trauen es sich allein nicht zu. Die Gruppe gibt uns etwas Sicherheit, es gemeinsam auszuhalten und bisherige Vermeidungen zu bewältigen. Noch bevor der Zug einfuhr, bemerkten wir bei einigen Teilnehmern starke Nervosität. Darauf angesprochen, wurde die Angst deutlich, dass der enge Kontakt im Zug mit fremden Menschen ein großes Problem darstellt. Ein Schlüsselerlebnis ergab sich, als jemand aus der Gruppe zur Toilette musste. Den schmalen Gang entlang und an den fremden Menschen vorbei war schon eine Herausforderung aber dann stand derjenige vor der Toilettentür und bekam sie nicht auf. Er merkte, wie er hochrot wurde und zu zittern anfing weil das so peinlich war. Die Gedanken waren, alle schauen auf mich, ich bin zu dumm, diese Tür aufzubekommen. Eine Frau sagte dann, dass man die Tür aufschieben muss und er ist in den Toilettenraum förmlich geflüchtet, um sich zu beruhigen.

Im Museum selbst hatten wir Angst das Ticket zu bezahlen. Es könnte ja irgendetwas falsch gemacht werden. Aber dann kamen so viele positive Eindrücke auf uns zu im Austausch mit den Anderen: "Kannst du dich daran erinnern", "Schau mal da" und "Kennst du das noch". Wir waren alle abgelenkt und haben in Erinnerungen geschwelgt. Diese Gefühle zuzulassen war eine schöne Erfahrung für uns alle. Sie ließ uns eine Zeit lang unsere Ängste vergessen. Wir waren gelöst und beim Verlassen des Museums erstaunt, wie gut wir die bisherigen Konfrontationen gemeinsam bewältigt haben. 

Die nächste Herausforderung war es, ins Cafe zu gehen und einen kleinen Imbiss einzunehmen. Schon beim Eintreten und bei der Platzwahl kamen wir wieder ins Schwitzen, das Herz raste und das Sprechen fiel schwer. In der Öffentlichkeit dann zu essen und zu trinken war für einige Teilnehmer sehr schwierig. In der Gewissheit, dass es einigen aus der Gruppe ähnlich geht, haben sich alle darauf eingelassen. Gemeinsam konnten wir den Kaffee genießen.

Die Rückfahrt haben wir genutzt um uns auszutauschen, über Empfindungen und Eindrücke zu reden. Es war für jeden einzelnen Teilnehmer eine neue Erfahrung, Ängste auszuhalten, sich diesen zu stellen und dadurch Freude, Genuss und Stolz auf die Bewältigung zu empfinden. Es wurde allen deutlich, wie wichtig uns die Gruppe, deren Zusammenhalt und dieses Konfrontationstraining ist. Es ist ein langwieriger Prozess, diese erlernten Vermeidungshaltungen aufzugeben, um zukünftig Konfrontationen allein zu bewältigen. Um so wichtiger ist es für uns alle, gemeinsam weiter daran zu arbeiten.